Eurozone zeigt erste Anzeichen einer Erholung – Deutschland treibt Wachstum an

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Die Wirtschaftstätigkeit in der Eurozone ist im März zum dritten Mal in Folge gestiegen. Besonders die deutsche Industrie und sinkende Inflationsdynamik deuten auf einen möglichen Wendepunkt für die europäische Konjunktur hin.

Industrie überrascht positiv – Inflation verliert an Tempo

Laut den aktuellen Einkaufsmanagerindizes (PMI) verzeichnete der private Sektor der Eurozone im März ein leichtes Wachstum. Der Hamburg Commercial Bank Flash Eurozone Composite PMI stieg auf 50,4 Punkte, nach 50,2 im Februar – der höchste Stand seit sieben Monaten. Auch wenn der Wert leicht unter den Erwartungen von 50,8 lag, signalisiert er dennoch Wachstum (alle Werte über 50).

Besonders erfreulich: Die Industrieproduktion in der Eurozone legte erstmals seit zwei Jahren wieder zu – auf den höchsten Stand seit Mai 2022. Ein Großteil dieser Erholung geht auf die deutsche Industrie zurück, die von einem neuen fiskalischen Maßnahmenpaket beflügelt wurde.

Dr. Cyrus de la Rubia, Chefökonom der Hamburg Commercial Bank, sagte: „Es gibt eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass Europa die Gelegenheit nutzt und mehr Einigkeit bei Reformen, Verteidigungsausgaben und der Vollendung der Kapitalmarktunion zeigt, um nur einige Punkte zu nennen.“

Dienstleistungen schwächeln leicht

Während die Industrieproduktion anzieht, verzeichnete der Dienstleistungssektor ein leichtes Nachlassen. Der entsprechende PMI fiel von 50,6 im Februar auf 50,4 im März und verfehlte damit die Prognosen von 51 Punkten.

Ein weiterer Lichtblick: Die Teuerung ließ spürbar nach. Die Kosten für Vorleistungen – also Materialien und Dienstleistungen – stiegen so langsam wie seit November nicht mehr. Auch die Verkaufspreise legten nur noch moderat zu. Damit dürfte der Druck auf die Europäische Zentralbank (EZB) sinken, ihre Zinspolitik beizubehalten.

De la Rubia ergänzte: „Die Preisentwicklung im Dienstleistungssektor, die sehr genau von der EZB beobachtet wird, wird von den Tauben der Geldbehörde begrüßt werden.“

Deutschland im Aufschwung – Frankreich weiter im Rückwärtsgang

Deutschlands Konjunktur zeigt sich im März deutlich gestärkt. Der deutsche Composite-PMI stieg auf 50,9 – der höchste Wert seit Mai 2024. Besonders bemerkenswert: Die Industrieproduktion kletterte von 48,9 auf 52,1 Punkte, ein 36-Monats-Hoch. Lediglich der Dienstleistungssektor bremste etwas ab (50,2 nach 51,1 Punkten).

Ein Analyst kommentierte: „Was für eine angenehme Überraschung – die Industrie hat erstmals seit fast zwei Jahren die Produktion hochgefahren.“

Er fügte hinzu: „Das Wirtschaftswachstum im ersten Quartal sieht vielversprechend aus, mit einem Composite-PMI, der jeden Monat über der Wachstumsschwelle lag. Dank des fiskalischen Pakets könnte dies der Beginn einer nachhaltigeren Erholung sein.“

Frankreichs wirtschaftliche Entwicklung bleibt hingegen angespannt. Zwar legte der Composite-PMI von 45,1 auf 47,0 zu, doch bleibt der Wert klar unter der Wachstumsschwelle von 50. Die Industrie kletterte leicht auf 48,9, der Dienstleistungssektor erreichte 46,6. Frankreichs Wirtschaft schrumpft damit bereits den siebten Monat in Folge.

Dr. Tariq Kamal Chaudhry, Ökonom bei der Hamburg Commercial Bank, erklärte: „Unsicherheit im Inland und Ausland, Wettbewerbsdruck und eine schwache Nachfrage in Schlüsselbranchen wie Automobil, Bau und Landwirtschaft wurden als Gründe für die gedämpften Aussichten genannt.“

Er ergänzte: „Obwohl die Hoffnungen auf eine verbesserte Aktivität auf den höchsten Stand seit neun Monaten gestiegen sind.“

Hoffnung auf langfristige Erholung

Trotz regionaler Unterschiede zeigt die Eurozone erste Anzeichen eines konjunkturellen Wendepunktes. Die Kombination aus anziehender Aktivität und rückläufiger Inflation könnte der EZB Spielraum für Zinssenkungen eröffnen – womöglich bereits ab Juni, sofern sich die Inflationsrate weiter der Zielmarke von zwei Prozent nähert.

Ob es sich bei den März-Daten um den Beginn einer echten Erholung oder lediglich um eine Atempause handelt, bleibt abzuwarten. Die Märkte jedenfalls reagieren positiv: Der Euro legte um 0,2 Prozent auf 1,0830 US-Dollar zu, der Euro STOXX 50 stieg um 0,3 Prozent, der deutsche DAX sogar um 0,8 Prozent.